Start Archiv
Abschied von der Wehr PDF Drucken
Sonntag, den 20. Dezember 2009 um 15:27 Uhr

SEEHEIM/ROSSDORF. Es sei immer schön gewesen, mit jungen Menschen zu arbeiten und „sie an eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung heranzuführen”, sagt Gerhard Heller. Besonders schön ist für den fast Zweiundsechzigjährigen aus Roßdorf, „wenn von mir ausgebildete junge Menschen später Führungspositionen einnehmen”. Seit 1990 ist Heller Ausbilder und Prüfer für die Freiwilligen Feuerwehren im Landkreis.

Der Sparkassen-Angestellte im Vorruhestand nahm seitdem rund 2500 jungen Feuerwehrleuten die Prüfung am Ende ihrer Grundausbildung ab. „Diese Prüfung macht aus Anwärtern Feuerwehrleute“, sagt der Roßdörfer Hauptbrandmeister und einer der Stellvertreter des Kreisbandinspektors.

Am Samstag trat Heller im Seeheimer Feuerwehrstützpunkt zum letztem Mal als Prüfer in Aktion. Die Prüflinge hatten da bereits einen vierwöchigen Lehrgang hinter sich, als Heller ihnen 30 Fragen stellte und einen Praxistest abnahm. „Es haben alle bestanden“, freute er sich. „Eigentlich hätte ich ja mit 60 Jahren nicht nur als aktiver Feuerwehrmann, sondern auch als Prüfer aufhören müssen. Aber für meine Prüfungstätigkeit habe ich vom Landrat eine Ausnahmegenehmigung bis 62 erhalten.“

Hätte er gerne noch ein paar Jahre drangehängt? „Ja. Sehr gerne sogar. Andererseits“, sinniert Heller, „kann man mit zunehmendem Alter auch nicht mehr alle 20 praktischen Aufgaben seinen Schülern vormachen. Eine Steckleiter hochzuklettern geht irgendwann einfach nicht mehr so schnell und einfach wie früher.“

Seine beiden Söhne zog es nie zur Wehr. „Und ich habe sogar Verständnis dafür. Sie haben immer miterlebt, wie eingespannt man als Feuerwehrmann ist und sich bewusst dagegen entschieden.“ Die Familie sei dennoch „enorm wichtig, um so ein Ehrenamt überhaupt ausüben zu können.“ Ehefrau Rosemarie habe ihm immer den Rücken frei gehalten und „sie hatte auch immer viel Verständnis.“

Sein schlimmstes Erlebnis als Ausbilder und Prüfer liegt erst ein paar Monate zurück. Eine Woche vor der Prüfung verabschiedete sich Heller von seinen Lehrgangsteilnehmern, um wenige Stunden später zu erfahren, dass einer von ihnen tödlich verunglückte. „Das hat mich sehr mitgenommen.“

Eines seiner wichtigsten Erlebnisse sei gewesen, „als sich einige Bürgermeister aus dem Kreis der Grundausbildung unterzogen. Die wurden wie alle anderen Teilnehmer unter anderem auch die Steckleiter hochgejagt. Und sie haben alle bestanden“. Und ein weiteres sei gewesen, „dass einer meiner Schüler heute Gemeindebrandinspektor in meiner Heimatgemeinde Roßdorf ist. Ich habe Wilfried Sturm seit seiner Zeit bei der Jugendwehr begleitet und in der Feuerwehr groß gezogen. Ein schönes Gefühl, wenn es jemand dann so weit bringt.“

In den vergangenen 18 Jahren habe sich die Ausbildung verändert. Die Dienstvorschriften wurden immer deutlicher und es wurden mehr. Und der Aspekt der Eigensicherung wurde immer wichtiger.“ Was er mit seiner gewonnen Freizeit demnächst anfängt, hat ebenfalls mit Feuerwehr zu tun. „Aber im ganz Kleinen. Ich will meine Modelleisenbahn wieder aufbauen. Und dazu gehören auch Feuerwehrautos. Ich werde wohl auch einige Einsätze in meiner Modelllandschaft dekorieren.“

Im Januar, wenn Gerhard Heller 62 Jahre alt wird, soll es noch eine offizielle Verabschiedungsfeier geben. Der genaue Termin steht noch nicht fest. Nach seinem letzten Einsatz als Prüfer in Seeheim geht es zusammen mit seiner Frau zunächst nach Bad Tölz zur Kur.

DA-Echo

 


 

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 20. Dezember 2009 um 15:31 Uhr